Dichtung

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Das schriftstellerische Werk Friedrich Spees umfasst Publikationen auf dem Felde der deutschen Dichtung ("Trutz-Nachtigall") und Kirchenlieder, der Seelsorge ("Güldenes Tugend-Buch"; "Geistlicher Unterricht zur Generalbeicht" ["Industria spiritualis"]) und der Auseinandersetzung um den Hexenwahn ("Cautio Criminalis"). Hinzu kommt eine Nachschrift von Spees moraltheologischer Vorlesung ("Theologia moralis explicata").

 

Titelblatt des Straßburger Autographs der "Trutz-Nachtigall"
(1634) mit der Federzeichnung von Friedrich Spee,
Bibliotheque Nationale et Universitäire Strasbourg,
Sign. Ms 2328, L. germ 353

Trutz-Nachtigall

Der Titel "Trutz-Nachtigall" bezeichnet eine Sammlung von 51 bzw. 52 geistlichen Gesängen, die als "die schönste Gedichtsammlung des [17.] Jahrhunderts" bezeichnet wurde (Josef Nadler). Das Werk erschien 15 Jahre nach Spees Tod im Jahre 1649 bei Wilhelm Friessem in Köln. Etwa zeitgleich mit Martin Opitz, jedoch ohne von ihm beeinflusst zu sein, versucht Spee in seiner "Trutz-Nachtigall", einen eigenständigen Beitrag zur deutschsprachigen Lyrik seiner Zeit zu leisten (Er erklärt sich dazu in einer "Vorredenpoetik", die er der Liedersammlung als "Ettliche Marckpünctlein für den Leser" voranstellte.). Dabei knüpft Spee formal an die antike Schäferlyrik Vergils an, transformiert jedoch deren heidnische Bildsprache in den motivischen Zusammenhang einer theologisch bzw. christologisch akzentuierten geistlichen Passionslyrik. Die mit großem Kunstverstand angelegte "Trutz-Nachtigall" ist bis ins Detail hinein durchkomponiert. Das Werk charakterisiert seinen Verfasser als einen "poeta doctus", einen gelehrten Dichter, der auf virtuose Weise mit der klassischen und humanistischen Tradition umgeht und sie nach eigenen, religiösen Gesichtspunkten umformt. Ursprünglich beabsichtigte Spee, den Gedichten der "Trutz-Nachtigall" emblematische Zeichnungen vorzuschalten, so wie dies auf dem Titelblatt geschehen ist. Das Titelblatt zeigt in einer fiktiven Topographie ("locus amoenus") den gekreuzigten Christus und die ihn suchende Seele. Der Pfeil der Christusliebe hat das Herz der Seelenbraut durchbohrt. Die Darstellung stammt im Entwurf von Spee selbst und ist inspiriert durch das emblematische Andachtsbuch "Pia desideria" des belgischen Jesuiten Hermann Hugo (1558-1629).
Ein 1634 abgeschlossenes Manuskript der "Trutz-Nachtigall" liegt in der Stadtbibliothek Trier (Sign. Hs 1118/2283 8°). Eine weitere Kopie, das sogenannte "Straßburger Autograph" (Bibl. Nat. et Univ. Strasbourg, Sign. Ms 2328. L. germ. 353), ist noch etwas älter als die Trierer Handschrift und gilt als das "Arbeitsheft" des Dichters. In der Romantik wurde die "Trutz-Nachtigall" neu entdeckt und im Sinne einer "geistlichen Volksliedsammlung" gedeutet (Friedrich Schlegel). Etliche Lieder Spees aus dem "Güldenen Tugend-Buch" und der "Trutz-Nachtigall" fanden Eingang in romantische Gedichtsammlungen, etwa in die von Clemens Brentano (1778-1842) und Achim von Arnim (1781-1831) im Jahre 1806 veröffentlichte Kompilation "Des Knaben Wunderhorn".

Die Kirchenlieder

Die Kirchenlieder Friedrich Spees sind ohne Ausnahme anonym erschienen. Theo van Oorschot geht davon aus, dass insgesamt ca. 150 Lieder Spee zugewiesen werden können. Seit 1620 tauchen diese Lieder in verschiedenen Gesangbüchern, Wallfahrtsbüchern, Geistlichen Psaltern oder sonstigen Sammlungen auf, insbesondere in Köln, Würzburg, Mainz und Paderborn. Zu den bekanntesten und auch ökumenisch verwendeten Liedern Spees zählen das Adventslied "O Heyland reiß die Himmel auff", das Weihnachtslied "Zu Bethlehem geboren", das Osterlied "Die gantze Welt Herr Jesu Christ" oder das Krippenlied "O Jesulein zart". Die Kirchenlieder Spees verbinden feinste poetische Gestalt mit einem fundierten katechetischen Wirkungsanspruch. Die Frage, ob Spee auch als Komponist von Melodien zu einigen seiner Lieder betrachtet werden kann, ist in der Forschung noch nicht abschließend beantwortet. Bis heute ist Spee einer der am häufigsten vertretenen Kirchenliedautoren im katholischen Einheitsgesangbuch "Gotteslob", und auch im evangelischen Einheitsgesangbuch ist er mit vier Liedern vertreten. Der Herausgeber der historisch-kritischen Edition der Werke Spees, Prof. Theo van Oorschot, hat 2005 mit Band 4 einen eigenen Band mit den Liedern Spees vorgelegt.