Forschungsstand

Startseite » Zur Person » Biographie » Forschungsstand

Die 350-Jahr-Feier von Friedrich Spees Sterbetag (1985) und die 400-Jahr-Feier seines Geburtstags (1991) haben eine Springflut an Publikationen ausgelöst. Durch das Zusammentreffen mit dem Höhepunkt der feministischen Bewegung und deren Interesse für die Hexenprozesse beschäftigte sich ein nicht geringer Teil dieser Bücher und Aufsätze mit der "Cautio Criminalis". Aber auch sonst sind Spees Werke von vielen Seiten beleuchtet worden. Sowohl das für ein Kölner ordensähnliches, weibliches Laieninstitut verfasste "Güldene Tugend-Buch", ein Handbuch für ein geistliches Leben in der "Welt", wie auch die "Trutz-Nachtigall", die Spees künstlerisch anspruchsvolleren geistlichen Lieder enthält, waren Thema vieler wissenschaftlichen Untersuchungen. Auch seine für den Katechismusunterricht bestimmten Lieder wie "O Heiland reiß die Himmel auf" und "Zu Bethlehem geboren" sowie weitere Kirchenlieder waren Gegenstand mancher Publikation. Daneben richtete sich das Interesse der Forscher und sonstiger Publizisten auf Spees Biographie, vor allem auf seinen Einsatz für den leidenden Mitmenschen, und auf seine Spiritualität.

Inzwischen ist wieder "Ebbe" eingetreten, aber geblieben ist aus jenen Jahren eine Reihe von Schulen und Häusern im kirchlichen und sozialen Bereich, die den Namen "Spee" tragen und ihn mehr oder weniger bewusst als Programm für ihre Arbeit verstehen. Geblieben sind die Düsseldorfer und Trierer Spee-Gesellschaften, die es als ihre Aufgabe betrachten, durch Ausstellungen, Einzelvorträge, Gesangs- und Rezitationsveranstaltungen das Vermächtnis Spees zu verbreiten und lebendig zu halten. Wissenschaftlich betätigen sie sich erstens durch die regelmäßige Organisation von Tagungen, die den Menschen und die Werke Spees sowie seine Zeit und seine Nachwirkung bis heute von einem jeweils aktuellen Gesichtspunkt her zu behandeln versuchen. Zweitens geben die beiden Gesellschaften seit 1994 alljährlich das "Spee-Jahrbuch" heraus, das in gut lesbaren, wissenschaftlich verantworteten Beiträgen das ganze Spektrum "Spee" aufleuchten lässt. Darüber hinaus ist in anderen Zeitschriften und Medien das Interesse für Spee nicht ganz abgeflaut.

Auch in der "Ebbezeit" spült dann und wann eine Woge etwas weiter den Strand hinauf, mit anderen Worten erscheint ein umfangreicheres Werk. So erschienen im Jahre 2000 zwei Textausgaben der "Cautio": die lang ersehnte Neuauflage von Joachim-Friedrich Ritters vergriffener deutscher Edition und eine Übersetzung ins Französische, die seit 1660 nicht mehr gedruckt worden war. Helmut Webers kritische Ausgabe der "Theologia moralis explicata", worin vieles aus Spees eigenem Vorlesungsheft der Moraltheologie einging, erschien 1996; im darauf folgenden Jahr der Sammelband "Friedrich Spee als Theologe" (hrsg. von Gunther Franz und Hans-Gerd Wirtz) und von Andrea Rösler das Werk "Vom Gotteslob zum Gottesdank", das in einem ausführlichen Kapitel den Lobliederteil der "Trutz-Nachtigall" erläutert. 1996 gaben Helmut Weber und Gunther Franz die kleine Biographie "Friedrich Spees Leben und Werk und sein Andenken in Trier" und Hans Müskens "Friedrich Spee: keine Hexerei", ein Heft mit Unterrichtsmaterialien heraus. Eher im Bereich der Kunst anzusiedeln sind Jutta Schuberts Schauspiel "Hexenbrennen" (1997) und Karl-Jürgen Miesens Erzählung Kink (1996), die die aufregende Geschichte vom Druck der zweiten Auflage der Cautio nacherzählt. Neue Perspektiven für das Studium der Kirchenlieder Spees eröffnet der Band "Geistliches Wunderhorn" (München 2001) durch die neuartige Zusammenarbeit eines Mainzer Teams von Gelehrten aus mehreren Disziplinen, die u.a. für vier Speelieder die Methode einer vielseitigen, auch die Interaktion von Text und Melodie einbeziehende Interpretation anwenden. Mit dem vierten Band, der die Kirchenlieder Friedrich Spees rekonstruiert und dokumentiert, ist die wissenschaftliche Gesamtausgabe der Werke Spees nunmehr abgeschlossen. Eine "Volksausgabe" dieses vierten Bandes macht Spees Lieder auch einem breiteren Publikum leicht zugänglich. Im Jahr 2008 ist ein neuer Ausstellungskatalog zu Friedrich Spee erschienen (Friedrich Spee. Priester, Mahner und Poet. Köln 2008), der auch zu fast allen Aspekten von Friedrich Spees Wirken neue Artikel enthält.